Der MGV Liebenau – aus seiner 110-jährigen Geschichte

Der Männergesangverein Liebenau ist ein vierstimmiger Männerchor, der sich hauptsächlich der Pflege des Volksliedes, der klassischen Chorliteratur und kirchenmusikalischen Werken widmet. Er ist ein Zusammenschluss von Männern, die Freude am Singen haben, Teamgeist hochhalten, auf gemeinsame Ziele hinarbeiten und sich über positive Erlebnisse freuen. Die Einbindung der Lebenspartner in gemeinsame Aktivitäten ist ein wesentliches Merkmal unseres Vereinslebens.

Gründung:

Leitende Mitarbeiter der Brotfabrik Lochs & Fischer (ehemaliges Postamt in der Liebenauer Hauptstraße 91) die im Singen eine sinnstiftende und glückbringende Tätigkeit neben dem täglichen „Broterwerb“ sahen, gründeten im September 1906 den Männergesangverein Liebenau. In dieser Zeit florierte das gesellige Singen im bürgerlichen Mittelstand.

Heimstätten:

Die Vorträge , ursprünglich „Liedertafeln“ genannt, fanden hauptsächlich in den Gasthäusern Liebenaus statt. 15 Gaststätten dienten uns bis 1981 als Heim- und Spielstätte. Seit damals sind wir auf Einladung des damaligen Pfarrers und aktiven Sängers des MGV Liebenau – Franz Xaver Manninger – Gast der Pfarre St. Christoph. Sie stellt uns den Pfarrhof als Vereinsheim und die Kirche als Aufführungsstätte zur Verfügung.

Chorstärke:

Der Männerchor startete 1906/07 mit 22 Sängern und hat heute, nach 110 Jahren, wieder 22 Sänger. Dazwischen gab es recht unterschiedliche Entwicklungen. 1911 kam es aufgrund von Zwistigkeiten zu einer Abspaltung eines Teils des MGV Liebenau in die „Liebenauer Sängerrunde“, die aber nicht lange überlebte und deren Mitglieder 1912 großteils wieder zurückkehrten. In den Kriegsjahren ruhte der Verein, es wurde aber jeweils am 6.1.1919 bzw. 10.11.1946 die aktive Sängertätigkeit wieder aufgenommen.

1919 hatte der Verein sein „Spitzenjahr“ mit kurzfristig 62 Sängern; 1921 waren es schon wieder „nur mehr“ 40 Mann. In dieser Größenordnung verblieb er bis zum Jahre 1937.

Der wieder gewonnene Friede führte wieder wie bereits in 1919 zu einem schönen Zulauf und konnte die Zahl der Sänger von 1946 auf 1947 wieder auf 36 verdoppelt werden. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts bewegt sich der Mitgliedsstand der aktiven Sänger bei meist 20-25 Mann.

Die Zwischenkriegszeit:

  • Höhepunkt des Vereinslebens war die Fahnenweihe am 7.9.1919, bei der wir den Höchststand an Sängern hatten. Das Riesenfest fand im Gelände der „Bundeserziehungsanstalt“ Liebenau statt. Mit uns feierten 40 Vereine mit 25 Fahnen. 3 Musikkapellen spielten auf und 17 Chöre nahmen an der Festliedertafel im Park teil
  • Das günstige finanzielle Ergebnis eines heiteren Theaterabends im Herbst 1926 führte zu einem Ausbau des Theaterspiels. Für das vom Vereinsobmann Prof. Hugo Dostal initiierte Theaterspiel wurde eine eigene Gasthausbühne geschaffen und bis 1934 rund 50 Vorstellungen gegeben; der Gesang trat in diesen Jahren in den Hintergrund.
  • 1937 reiste eine Abordnung des Chores zum 12. Deutschen Sängerbundfest nach Breslau (heute Wroclaw in Polen). Geschätzte 400.000 Menschen „deutschen Stammes aus aller Welt“, hpts. Sänger und Trachtengruppen, nahmen an dieser bis dahin „machtvollsten Heerschau des deutschen Liedes“ in der Jahrhunderthalle in Breslau teil.

 

40er-bis 90er Jahre des 20. Jahrhunderts:

  • Auf Anregung einiger Sänger, darunter von Josef Kerschberger (seit 1931 und bis 1978 Mitglied des MGV Liebenau und Vater des  bis Jänner 2017 amtierenden Obmannes Helmut Kerschberger) wurde der MGV Liebenau mit Herbst 1946 wieder ins Leben gerufen. Es gab in all den Jahren zwar regelmäßig Proben, aber es gab im Vergleich zu heute wenig Einsätze (meist unter 10 pro Jahr).
  • 1949 wurde vom MGV Liebenau die Reparatur des Kriegerdenkmals (früher an der Abzweigung L. Hauptstraße – Puntigamer Straße, jetzt Kadettengasse) übernommen und die Gedenktafel der Verstorbenen des 2. Weltkrieges angebracht, da zu dieser Zeit noch kein Kameradschaftsbund erlaubt war. Bis heute trägt der MGV Liebenau und der MV Liebenau mit dem ÖKB die jährlichen Gedenkfeiern für die Gefallenen mit.
  • Vom 14.-16. Juni 1950 findet das Erste Österreichische Sängerbundfest in Graz statt. Konzerte in der Festhalle am Messeplatz sowie ein zweistündiger Festzug mit historisch gestalteten Wagen und rund 10.000 Sängern bilden die Höhepunkte dieser Feier, an der der Verein (u.a. auch Obmannstv. Kerschberger als Bundesfahnenjunker) teilnimmt.
  • Mitte der 60er Jahre wird auf Initiative von Schulinspektor Hofrat Hubert Heuberger in Liebenau ein Kulturkreis gebildet. Der Bau eines Kulturhauses – vom MGV Liebenau unterstützt – scheitert aber an den Finanzen/der Zustimmung einiger Kulturträger. In diesen Jahren starteten auch die bis heute tätigen Sänger Obmann Helmut Kerschberger und Ferdinand Promitzer.
  • In den 70er Jahren beginnen unter Vergnügungsobmann Josef Edler(auch 5 Jahre Obmann) die mit großem Aufwand organisierten und beliebten jährlichen Frühlingsfeste im Brauhaus Puntigam, zuletzt in 1980. Die Auftritte erfolgen erstmals in einheitlicher Sängertracht (Steireranzug) Das 17. steirische Sängerbundfest in 1978 (75 Vereine 3000 Sänger) inszeniert als Festobmann unser Obmstv. Edi Murgg. Anlass: 850 Jahre Graz.
  • Im Jänner 1975 wird Helmut Kerschberger zum Obmann gewählt. Er legte zwischenzeitig diese Funktion für 6-Jahre zurück und überahm sie wieder bis zum 10. Jänner 2017. Er leitete den Chor also 36 Jahre mit Herzblut und Erfolg.
  • 1981 findet das große 75. Bestandsjubiläum statt. In der neuen Heimstätte des Chors, der Christopherus-Kirche teilt sich der MGV Liebenau das Programm mit dem Spitzenensemble „Grenzlandchor Arnoldstein“. Eine Festschrift erinnert an die wichtigsten Stationen des Werdens des Gastgeberchors. Mit 1981 beginnt auch die bis heute durchgehende Vorbereitung  (mehrtägiges Sängerseminar) und Abhaltung eines jährlichen Chorkonzerts, das bald und nachhaltig auf den Samstagabend vor dem Muttertag gelegt wurde. Die Sängerseminare im Feb./März fanden zu Beginn in Kärnten, später in Fischbach und seit 1990 in Gasen statt und dauern von Donnerstagabend bis Sonntagmittag.

Mitte der 90er-Jahre bis heute:

  • 1992 übernimmt Kerschberger wieder die Obmannschaft und 1993 wird Heinz Strauss nach einer Probephase als Chorleiter bestätigt. Er erfüllt diese Aufgabe bis 2016 mit Erfolg. Diese Kontinuität, die in diesen Jahren im gesamten Vorstand beibehalten werden kann (Obmannstv. Alfred Brand, Kassier Johann Kern und Schriftführer Günther Geieregger) gepaart mit großem Arbeitseinsatz ist mit auch ein Grund für den erfolgreichen Weiterbestand des Chores. Ab 2016 gibt es an der Spitze des Chors folgende Verjüngung: Strauss übergibt die Chorleitung Mitte 2016 an den in Graz studierenden Edward Münch. Ab 2018 übernimmt jedoch Helmut (Heli) Jauk, ein erfahrener Chorleiter seit Jahrzehnten – mit längerfristiger Perspektive – diese  Position. Kerschberger legt nach 35 Obmannjahren die Vereinsleitung  im Jänner 2017  in die Hände von Johann Kern.
  • Gab es bis in die 80er Jahre kaum eines mit mehr als 20 Auftritten, waren es in den letzten 25 Jahren zwischen 25 und 50 Veranstaltungen, die jährlich neben knapp 50 Proben bewerkstelligt wurden. Disziplin in der Probenarbeit und Verlässlichkeit bei Auftritten waren jene Pfeiler, die uns auch eine treue Zuhörerschaft erhalten haben.
  • Unser Jahresprogramm besteht aus folgendem Aufführungsmix:

– 40-50 % der Aufführungen sind kirchliche Feiern
(Messen, Taufen, grüne, bis diamantene Hochzeiten, Todesfälle etc),

– 30 % gesellschaftliche Anlässe
(runde Geburtstage, Eröffnungen, eigene Konzerte oder Teilnahme an anderen Veranstaltungen usw.) und

– 20-30 % betreffen Advent-und Weihnachtsfeiern in Kirchen, mit Pensionisten, in Pflegeheimen oder auf Grazer Plätzen und Sälen.

  • Außerordentliche Ereignisse prägen sich besonders in das Sängergedächtnis. Gemeinsame Konzerte mit dem Chor des russischen Patriachats Pereswet etwa oder dem 120 Mann starken japanischen Männerchor Roppongi im Minoritensaal. Aber auch eine Messgestaltung auf einer sonnendurchfluteten Waldlichtung bzw. das Singen im Petersdom oder die Eröffnung der Jugendchor-Weltmeisterschaft in Graz, das Chorkonzert von Partnerstädten im vollen „darmstadtium“ und ähnliches bleiben im Sängerherz lebendig.
  • Neben dem Gesamtchor war in den 80er Jahren ein sich aus dem Chor gebildetes Quartett aktiv, in den 90er Jahren ein Doppelquartett und seit einigen Jahren wieder ein Quartett, was sowohl die Konzertstruktur auflockert als auch bei kleineren Feiern eine gesangliche Darbietung von Seiten des MGV Liebenau ermöglicht. Neben dem jährlichen Chorkonzert ist die Besinnliche Adventstunde am 2. oder 3. Adventsamstag ein Fixpunkt im Jahreslauf. In beiden Fällen laden wir uns gerne Gastchöre und Instrumentalisten ein. Das, zusammen mit der ebenfalls bereits traditionellen Moderation von Günther Geieregger, sorgt für ein abwechslungsreiches Programm.
  • Eine besondere Sängerpartnerschaft gibt es seit 1998 mit dem MGV Liederkranz 1871 Wixhausen in Darmstadt, einer der Partnerstädte von Graz. Die Städtepartnerschaft war auch der Grund des Kennenlernens der beiden Männerchöre. In diesen 18 Jahren kam es bisher zu acht gegenseitigen Besuchen. Im Dezember 2016 waren wir zu einem Adventkonzert in Darmstadt eingeladen, unserem 9. Treffen. Gemeinsame Konzerte Ausflüge, persönliche Freundschaften und viel gemeinsames Singen und Feiern haben uns viele unvergessliche Stunden beschert.
  • Die viel Verständnis für ihre engagierten Sänger aufbringenden Frauen und natürlich auch die Sängerwitwen sind Teil unserer großen Familie und der gemeinsamen Feiern. Das Zusammengehörigkeitsgefühl mit den Sängerfrauen und unterstützenden Mitgliedern/Freunden wird auch bei einem jährlichen, eintägigen Sängerausflug erlebt. Wenn es ein rundes Jubiläum gibt, können es schon einmal auch mehrere Tage sein, die wir in kulturell interessanten Städten wie Rom, Florenz oder Verona verbringen.
© männergesangverein liebenau - 2019